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Tosender Applaus fürs Dschungelbuch

Kritik: Grafschafter vom 10.6.2008

Foto: Iris Kersten

links: Balu der Bär

Kindermusical der Musikschule feierte in der "Alten Weberei" Premiere

gn NORDHORN. Können Affen, Elefanten oder Schlangen eigentlich singen? Diese Frage beantworteten die Singuine von Nordhorn am Sonntag in der Alten Weberei auf atemberaubende Weise. Denn sie führen nach intensiver Vorbereitungszeit „Das Dschungelbuch“ in der Version von Walt Disney auf. Zwei mal hintereinander zeigte sich der Saal der Alten Weberei gut besetzt. So viele Besucher wollten wissen, ob und wie in einem echten Dschungel gesungen wird und waren gespannt darauf, was die Musikschule mit dieser Produktion, für die 70 Mitwirkende ein halbes Jahr geprobt hatten, auf die Bühne bringen würde.

Nach dem die Band, bestehend aus den Musiklehrern Ansgar Preus-Focke (Flöte), Andrew Read (Bass) Johannes Strzyzewski (Gitarre) und Rob Zieverink (Piano) die Ouvertüre gespielt hatte, verhüllte sich die Bühne in tiefes Blau einer besonderen Nacht und aus einer dichten Dschungelkulisse tauchte der Erzähler (Pierre Ruhlmann) auf: „Dschungel – wieviel Fantasie und wieviel Zauber liegt in diesem Wort und wie märchenhaft und wundersam ist die Geschichte des kleinen Jungen, der Mogli hieß“, raunte es aus den Lautsprechen. Mit tiefer Stimme und viel Atmosphäre führte er das Publikum durch die spannende Geschichte. Es waren Wölfe, Elefanten, Affen, Schlagen, Geier und natürlich Balu, der Bär, Baghira der Panther und Shir Khan der gefährliche Tiger, die Mogli auf seinem – nicht ungefährlichen - Weg durch den Dschungel begegnete. Sie alle wurden von Kindern im Alter zwischen 6 und 10 Jahren gespielt. Und dies taten sie auf höchst beeindruckende Weise: Köstlich war die Elefantenkompanie, die von Oberst Hathi per Megaphon durch die ganze Halle kommandiert wurde. Beeindruckend waren die Wölfe und Affen, weil sie die Tiere mit Lauten und Bewegungen nachahmten. Lustig waren die Geier, wie sie gegenseitig mit „müden“ Witzen die Langeweile zu vertreiben suchten und faszinierend waren die Schlagen, die zischen über den Boden krochen.

Schon beim ersten Lied, dem „Oberst Hathi Marsch“ ging das Publikum lautstark mit. Die Chorleiter Olga Kisselva und Rob Zieverink hatten die Lieder mit den Kindern einstudiert und die Schauspieltrainerin Simone Wrede arbeitete gemeinsam mit Olga Kisselva die Inszenierung aus. Sowohl der Gesang, als auch die schauspielerische Leistung war überzeugend und beeindruckend. Als Balu, der Bär dann „Probiers mal mit Gemütlichkeit“, dem wohl bekanntesten Lied der Dschungelsage, anstimmte, wippte und schnippte es im ganzen Saal. Immer wieder gab es laute Lacher im Publikum, weil die Hauptdarsteller ihre Rollen durchaus mit viel Witz zu spielen wussten. Auch die Kostüme, die von Christina Kollwer genäht wurden, trugen dazu bei, dass des öfteren geschmunzelt wurde. Der zottelige Bär oder die giftige Schlange Kaa hatten Kostüme, die den Charakter der Rollen auf humorvolle Weise hervorhob. Das Bühnenbild war toll: Intensiv leuchtende Grüntöne, Pflanzen, wohin das Auge blickte und Lianen, die von den Bäumen hingen, schafften eine dichte Atmosphäre.

Immer wieder tauchten Chorsänger aus dem Dickicht hervor und stimmten in die Lieder ein. Besonders gelungen war das Geierlied, das sogar mehrstimmig gesungen wurde. Regelrecht herzergreifend geriet am Ende die Szene am Fluss, in der Mogli auf die Mädchen der Menschensiedlung und die schöne Shanti trifft. Hier mag vor allem die wunderschöne Ballade „Trautes Heim“ für romantische Gefühle gesorgt haben.

Zum Schluss musste die Band das Lied „Probiers mal mit Gemütlichkeit“, angepeitscht vom rhythmisch klatschenden Publikum, fünf oder sechs mal immer wieder von vorne spielen. Wie Mogli, so wollten auch Publikum, Sänger, Darsteller und Musiker den Dschungel nicht freiwillig verlassen.