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Kritik und Vorschläge jederzeit willkommen

Rheinische Post im Dezember 2000

Foto: Olaf Staschik

Am Computer hat Johannes Strzyzewski die CD "Canto und das Geheimnis des Tritonus" digital zusammen geschnitten

Das Interview
Komponist und Produzent Johannes Strzyzewski:

Ab kommenden Montag ist die CD zum Musical „Canto und das Geheimnis des Tritonus" zu kaufen. Als „krönen den Abschluss des Kulturjahres 2000" bezeichnet Helmut Taufer vom Kulturamt das Mammut Projekt mit knapp 500 Mitwirkenden, das unter Federführung der Musikschule seit zwei Jahren geplant wird. Mit Komponist und Produzent Johannes Strzyzewski unterhielt sich RP-Redakteur Klaus Wünnenberg

RP: Sie sind wahrlich kein Neuling in der Musikszene. Wie schätzen Sie die Produktion von Canto ein?
Strzyzewski: Seit 1988 bin ich als Musik-Produzent tätig und habe in der Zeit für etwa 100 Filme die Musik geschrieben. Die Voraussetzung, Bilder in Musik auszudrücken, ist auch bei Canto zu hören. Das Musical ist mit Abstand die teuerste und aufwändigste Produktion, die ich bislang gemacht habe. Die CD ist nicht an den reinen Kosten von rund 30 000 Mark zu messen, sondern um ein vielfaches teurer. Nur durch die Mitwirkung vieler ehrenamtlicher Kräfte war das Werk zu verwirklichen.

RP: Was macht die Produktion so aufwändig?
Strzyzewski: Grundsätzlich arbeiten wir in der Musikschule mit Laien, wenn man Schüler als solche bezeichnen kann. Canto wäre aber ohne Profis nicht zu machen gewesen. Das gesamte Orchester der CD setzt sich aus Profis zusammen. So wirkten die Streicher bei „Les Miserables" mit, der Erzähler kommt aus Hamburg. Zur Aufnahme sind wir in ein Studio in der Eifel gegangen, das sich auf Orchester-Musik spezialisiert hat. Viele der Musiker und Sänger haben sich bis heute aber gar nicht gesehen. Die Passagen wurden einzeln aufgenommen und später am Computer zusammengeschnitten.

RP: Welche Rolle spielen die Ehrenamtlichen?
Strzyzewski: Alle Sänger, die im Dezember auch die Rollen auf der Bühne übernehmen, wirken ehrenamtlich mit. Sie werden seit Monaten gesondert geschult. Der Großteil kommt im übrigen aus Hilden. Und einige Stücke müssen wir mit den Kindern gar nicht lange üben. Zum Beispiel RapGesang, den hören sie oft genug.

RP: Haben die Kinder auch bei der Ausgestaltung des Stückes mitgewirkt?
Strzyzewski: In der Phase der Vorproduktion haben wir einen Fragebogen zur Musik an die Mitwirkenden verteilt. Stücke, die mehrfach kritisiert wurden, haben wir uns noch mal anhört und in Teilen geändert. Auch bin ich von den Kindern und Jugendlichen mehrfach gefragt worden, ob sie etwas Eigenes einbringen könnten. Da waren einige gute Ideen dabei. Für das Titelbild des CD-Covers haben sich die Mitwirkenden im übrigen per Umfrage entschieden. Aber auch andere Vorschläge waren jederzeit willkommen. So hat die Choreografin Beate Klever vom TuS Hilden Vorlieben für bestimmte Rhythmen. Daraufhin haben wir einen reinen Tanz ins Musical eingebaut.

RP: Ansonsten dominieren die Gesangs-Passagen?
Strzyzewski: Im Prinzip ja, nur der Zauberer Tritonus ist der einzige, der im Musical nicht singt - getreu dem Motto: Böse Menschen kennen keine Lieder. Damit er besonders bedrohlich klingt, habe ich seine Stimme in den Keller gesetzt. Um die Atmosphäre auf der CD bilden und halten zu können, werden jede Menge Geräusche digital eingespielt: Knarrende Türen, heulender Wind oder auch hallende Schritte.

RP: Dann kann sich der Hörer auf einige Überraschungen freuen?
Strzyzewski: Wer genau hinhört, wird entdecken, dass die Hauptmelodie in jedem Stück enthalten ist. Auch das Finale ist recht witzig: Es besteht aus einem Remix der gesammelten Kommentare, wenn etwas daneben ging, wie etwa ,oh', Tschuldigung' oder ,Ah, verstehe'. Die sogenannten Schmutzspuren habe ich übereinander geschnitten.