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Eine Tasse Kaffee mit Johannes Strzyzewski

Westfalenblatt vom 20.12.2008

Seit August dieses Jahres leitet Johannes Strzyzewski die Musik- und Kunstschule. Dass es zugleich die größte in Deutschland ist, hat der 50-Jährige selbst im Internet recherchieren müssen. Niemand in Bielefeld war sich dessen zuvor bewusst. Soweit zum typischen Bielefelder Understatement. Doch nicht alle Eigenarten, die man den Ostwestfalen nachsagt, sieht der gebürtige Düsseldorfer bestätigt, wie er Uta Jostwerner im Gespräch verriet.

»Das Vorurteil, die Ostwestfalen seien stur, kann ich nicht bestätigen. Ich finde, man kommt gut mit ihnen in Kontakt«, sagt der Rheinländer, der in seiner lockeren Art ohnedies offen auf die Menschen zugeht. Indes, im kurz vor der holländischen Grenze gelegenen Nordhorn, wo Strzyzewski zuvor mehr als fünf Jahre als Musikschulleiter wirkte, sei man bei weitem nicht so locker gewesen, findet der Neue, der mit vielen innovativen Ideen an den Teuto gekommen ist.

Dass er die Sparten Musik und Kunst enger miteinander verknüpfen möchte, hat er bereits in seiner Antrittsrede verkündet. Einen kleinen Vorgeschmack davon, zu welchem Ergebnis ein spartenübergreifendes Miteinander führen kann, konnte gewinnen, wer jüngst das Weihnachtskonzert der MuKu in der Altstädter Nicolaikirche besuchte: Musik und ihre künstlerische Illustration bildeten eine aufregende Symbiose.
Nun bringt Johannes Strzyzewski nicht nur als erfahrener Schulleiter, Musiker und Musikpädagoge, sondern auch als Komponist Fähigkeiten mit, die er gezielt einsetzen möchte. »Ich kann mir vorstellen, mal wieder ein Musical zu komponieren«, sagt Strzyzewski, der im Jahr 2000 mit dem Musical »Canto und das Geheimnis des Tritonus« für Furore sorgte. Das Werk wurde im Hamburger Sikorski-Verlag verlegt und wird aktuell auch vom Bodelschwingh-Gymnasium einstudiert.

Mit den Abteilungen Musik, Kunst, Tanz und Schauspiel verfügt die MuKu über ideale Voraussetzungen, um ebenfalls im Musical-Bereich tätig zu werden. Ganz visionär hat der 50-Jährige auch schon ein Datum anvisiert: Das 800-jährige Bestehen der Stadt Bielefeld im Jahr 2014. »Man könnte ein Musical mit Bielefeldbezug schreiben. Zum Beispiel über den Leineweber oder über die Bielefeld-Verschwörung. Letzteres könnte sogar in einen spannenden Krimi gefasst werden«, überlegt Johannes Strzyzewski, der für ein Projekt dieser Größenordnung drei Jahre Vorlaufzeit einkalkuliert.
Entwicklungsmöglichkeiten für die Musik- und Kunstschule sieht der neue Leiter auch im Bereich des Projekts »Jedem Kind ein Instrument«, das bis 2010 noch als Pilotprojekt im Ruhrgebiet läuft und jedem Grundschulkind ermöglicht, in der Gruppe ein Instrument zu erlernen. Gefördert wird es von der Kulturstiftung des Bundes und dem Land NRW. »Sollte das Land ab 2010 weitere Gelder bereitstellen, wird das Projekt über das Ruhrgebiet hinweg ausgeweitet. Das ginge dann mit einer Verdoppelung der Schülerzahl einher«, sagt Strzyzewski.

Doch auch mit Eigenmitteln will die MuKu vom Jahr 2009 an den Instrumentalunterricht an Grundschulen fördern. Bislang wird an 28 Schulen lediglich Elementarunterricht erteilt. »Künftig soll das Instrumentenkarussell darin eingebunden werden«, kündigt der MuKu-Leiter an.
Bei aller Breitenförderung darf, so Strzyzewski, die Talentförderung nicht zu kurz kommen: »Wir sichten in den Schulen Talente. Unsere Aufgabe ist es, sie auch entsprechend zu fördern.« Gleichwohl muss er einräumen, dass Deutschland im Bereich der Spitzenmusiker kaum noch eine Rolle spielt. Mit dem frühkindlichen Drill der asiatischen Länder etwa, könne das Kulturland Deutschland kaummehr mithalten, bedauert Strzyzewski.

INFO: Johannes Strzyzewski wurde am 16. August 1957 in Düsseldorf geboren und studierte Flöte und Komposition auf Lehramt an der Musikhochschule Köln. Anschließend leitete er den Fachbereich Popmusik der Musikschule Hilden und unterrichtete Querflöte, Gitarre und Musiktheorie. Zudem gründete er in Hilden eine Musikagentur mit Tonstudio. Nach einer Fortbildung zum Betriebswirt leitete er von 2003 bis 2008 die Musikschule in Nordhorn. Strzyzewski ist Komponist von Musicals und Filmmusiken. Foto: Hans-Werner Büscher