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"Hier geht was ..."

"BfB heute" vom 1.2.2009

Interwiev: Johannes Strzyzewski, Direktor der Musik- und Kunstschule

Unsere Musik- und Kunstschule ist mit 6000 Schülerinnen und Schülern die größte im Lande, wunderbar gelegen am Fuße der Sparrenburg. Sie ist ein wichtiger Baustein in der musikalisch/künstlerischen Ausbildung unserer Kinder und Jugendlichen, so der neue Musikschuldirektor im Gespräch mit Dorothea Becker, Ratsfrau und Kulturausschussmitglied, Christiane Cascante, Beiratsmitglied und Hans Micketeit, Vorsitzender der Bürgermeinschaft für Bielefeld im Stadtbezirk Mitte. Sein Team setzt sich engagiert für den Erhalt des Standortes ein.

BfB-heute: Herr Strzyzewski, seit dem 1. August 2008 sind Sie Direktor der Musik- und Kunstschule. Wer ist dieser Mann mit dem „unaussprechlichen“ Namen, wo kommt er her, was hat er bisher gemacht?
Strzyzewski: Ich komme aus Düsseldorf und habe an der Rheinischen Musikhochschule Köln Musik studiert. Danach habe ich mir ein Standbein als Musiklehrer an der städt. Musikschule Hilden und ein weiteres als freiberuflicher Musiker, Komponist und Musikproduzent aufgebaut. 2003 zogen wir nach Nordhorn, weil ich mich dort erfolgreich um die Stelle der Musikschulleitung beworben hatte. Nach 5 Jahren hatte ich die Konzeption, die ich 2003 für die Musikschule aufgestellt hatte, umgesetzt. Dann las ich die Stellenausschreibung in Bielefeld…

BfB-heute: Was war Ihre Motivation, sich für die Leitung der MuKu in Bielefeld zu bewerben?
Strzyzewski: Sicherlich die Herausforderung, neue Aufgaben zu übernehmen, aber es spielte eine große Rolle, dass es sich in Bielefeld um eine Musik- und Kunstschule handelt. Ich komme aus einer „Künstlerfamilie“, wahrscheinlich kommt daher der Wunsch, mit anderen Kunstsparten zusammen arbeiten zu wollen.

BfB-heute: 100 Tage sind vorbei – was haben Sie vor, wie sieht Ihre Konzeption aus, um trotz des finanziell engen Rahmens unseren Kindern weiterhin den Zugang zur eigenen Kreativität zu ermöglichen?
Strzyzewski: Es kommt darauf an, wie viel Gestaltungsfreiheit einem bleibt. Auch mit einem engen Finanzrahmen kann man etwas gestalten und bewegen. Und in Bielefeld, wenn mich nicht alles täuscht, will man was bewegen. Ich habe hier viele aufgeschlossene Leute kennen gelernt. Ich bin optimistisch und sage mal ganz salopp: „Hier geht was…“

BfB-heute: Ist z.B. das Projekt „JeKi“ Jedem Kind ein Instrument in Zusammenarbeit mit den Grundschulen ein Weg?
Strzyzewski: JeKi ist ein vom Land NRW finanziertes Projekt, das vor zwei Jahren im Ruhrgebiet gestartet ist Nun denkt das Land darüber nach, das Projekt 2010/2011 auf andere Regionen auszudehnen. Für Bielefeld würde das bedeuten, dass wir in den ersten Grundschulklassen elementaren Musikunterricht durchführen. Hochgerechnet hätten wir zusätzlich ca. 38.000 Stunden zu unterrichten. Die dafür erforderlichen Kapazitäten können von uns aber in der Größe und Geschwindigkeit gar nicht bereitgestellt werden. Ähnliches passiert zurzeit im Ruhrgebiet. Außerdem besteht die Gefahr, dass darüber wichtige und für die Musik- und Kunstschule essentielle Dinge vernachlässigt werden. Da sind Talent- und Begabtenförderung, Berufsvorbereitung, Orchesterarbeit und die Zusammenarbeit mit den weiterführenden Schulen zu nennen.

BfB-heute: Sie setzen auf Teamarbeit im Hause?
Strzyzewski: Herr Schulze, seit Sommer Leiter der Sparte Kunst, und ich haben uns vorgenommen, den Schwerpunkt auf die Kooperation der beiden Sparten zu legen. Wir wollen darüber hinaus auch mit anderen Kulturschaffenden oder Kulturträgern zusammenarbeiten, was immer zu sehr spannenden und neuen Erfahrungen führt. Das Weihnachtskonzert in der Altstädter Kirche, bei dem Kunstschüler Bilder zur Musik gemalt haben, die synchron dazu beleuchtet wurden, kam beim Publikum sehr gut an. Wir werden in Zukunft weitere Projekte durchführen, die diesen Symbiosecharakter haben.

BfB-heute: Sie selbst sind ja vielseitig künstlerisch aktiv, so auch als Komponist und Freund des Musicals. Warum wünschen Sie sich eine Musical-Abteilung für die Musik- und Kunstschule?
Strzyzewski: Ich habe jahrelang Filmmusik gemacht und habe heute noch Spaß an visuell umgesetzter Musik. Gerade das Musical versetzt uns in die Lage, das gesamte Spektrum der Musik- und Kunstschule in einer Veranstaltung zu präsentieren. Da gibt es Gesang, Schauspiel, Chor, Sinfonieorchester, Popmusik, Komposition, Kostüm, Sponsoring, Beleuchtung, Bühnenbau, Dramaturgie, Maske, Veranstaltungstechnik, Kulisse, Buch, Regie, Bühnenbild, Tanz und alle müssen interagieren. Eine Musical-Produktion bietet die Chance, sehr viele Kinder, Jugendliche und auch Erwachsene zu integrieren. Dann kommt natürlich auch meine persönliche Affinität zum Musical hinzu.

BfB-heute: Das hört sich gut an. Haben Sie dazu auch ein Finanzierungskonzept?
Strzyzewski: Erfahrungsgemäß sind Musicalproduktionen teuer. Wir wollen mit Laien und Schülern arbeiten. D.h. Leute, die sich zur Mitwirkung für das Musical bewerben, bekommen Unterricht in Schauspiel, Musik, Tanz etc. – eine Einnahmequelle. Sponsoren interessieren sich für lokale Produktionen, weil sie 1. lokale Themen behandeln und 2. viele Leute (Bekannte, Verwandte) in diese Vorstellungen gehen. Also glaube ich, dass sich ein Musical kostenneutral durchführen lässt, wenn es von den Finanzsäulen (Unterrichtsgebühren, Eintrittsgelder, Sponsorengelder und Fördermittel) getragen wird.

BfB-heute: Gerade ist Bielefeld-Kreativ 2009 – ein gelungener Werbeprospekt für die vielfältigen Angebote der Musik- und Kunstschule herausgekommen, Gratulation. Da gibt es auch Angebote für Erwachsene. Werden diese Angebote wahrgenommen?
Strzyzewski: Ja. Allerdings steckt der Bereich Musik- und Kunstunterricht für Erwachsene in den Kinderschuhen. Noch bis 2007 musste bei uns jede(r) ausscheiden, die oder der das 21. Lebensjahr erreicht hatte. Vor dem Hintergrund der demographischen Entwicklung hat der Unterricht mit Senioren einen neuen Stellenwert bekommen. Neuere Untersuchungen belegen, dass das Musizieren gerade bei Senioren positive Auswirkungen auf die Gesundheit und das Wohlbefinden hat.

BfB-heute: Ihre Konzeption wirkt sehr überzeugend. Sie rühren kräftig die Werbetrommel und stärken im Team die Musik- und Kunstschule von innen heraus. Unsere Kinder und Jugendlichen werden davon profitieren. Wir wünschen Ihnen viel Erfolg und bedanken uns für das Gespräch. Danke