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Mehr Pop, mehr Tanz

Neue Westfälische vom 19.3.2009

FOTO: ANDREAS ZOBE

Trommelt für die Musik- und Kunstschule: Johannes Strzyzewski mit den Anfängern einer Bigband.

Johannes Strzyzewski und seine Perspektiven für die Musik- und Kunstschule

VON ARNO LEY - Bielefeld. Johannes Strzyzewski plant eine Kulturrevolution für die Bielefelder Jugend: Mehr Popmusik, eine eigene Sparte Tanz, verstärkte Anstrengungen für die Chormusik und eine eigene Musical-Produktion. Gestern stellte er seine „Perspektiven für die städtische Musik- und Kunstschule“ im Ausschuss den Politikern vor.

Strzyzewski ist erst seit wenigen Monaten im Amt als Direktor im geschichtsträchtigen Haus der ehemaligen Werkkunstschule unterhalb der Sparrenburg, Nachfolger von Malte Heygster. Am 1. August 2008 kam der diplomierte Musikpädagoge (Tonsatz, Querflöte und Gitarre) und zugleich Betriebswirt von der Musikschule Nordhorn nach Bielefeld. „Zur größten Musik- und Kunstschule in Deutschland“, wie er gerne erwähnt. Das wussten die Bielefelder vorher selbst nicht. „Aber es stimmt“, sagt Strzyzewski.

Genau so stolz ist er darauf, mit 377 Teilnehmern bei der jüngsten Runde den bundesweit größten Regionalwettbewerb „Jugend musiziert“ organisiert zu haben. Gemeinsam mit Dietrich Schulze, dem ebenfalls neuen Leiter der Sparte Kunst (Nachfolger von Yael Niemeyer), stellte er gestern Ideen vor, mit denen die Schule an Zugkraft gewinnen soll.

Strzyzewski will verstärkt in die Grundschulen gehen. In Ubbedissen läuft bereits ein Versuch, in der Bültmannshof- und der Stapenhorstschule soll es nach den Sommerferien losgehen. „Jedem Kind ein Instrument“ nennt sich ein Projekt, das von der Landesregierung gefördert wird. „Im Ruhrgebiet musizieren bereits ganze Klassen“, berichtet Strzyzewski. Das Land zahlt dafür 30 Prozent der Kosten, die Kulturstiftung des Bundes weitere 20 Prozent. Für die Instrumente, 25 Prozent des dortigen Etats, müssen Sponsoren gewonnen werden. Ab 2010 möchte Strzyzewski nach und nach immer mehr Grundschulen zur Teilnahme begeistern. Beteiligen will er auch die privaten Musikschulen. „Allein können wir das nicht flächendeckend anbieten.“

Zusammenarbeiten will er verstärkt mit dem Stadttheater. Deren bisherige Singschule soll durch einen Kinder- und Jugendchor in der Musikschule ersetzt werden. Überhaupt: „Der Vokalbereich bei uns muss verstärkt werden.“

Ebenso will Strzyzewski mehr Tanz anbieten, vielleicht sogar als dritte Sparte des Hauses. Er will der Popmusik stärkeres Gewicht geben, die Klassik dabei aber nicht vernachlässigen. „Die Talente von heute sind die Musiklehrer der Zukunft“, betont er den Stellenwert der Begabtenförderung. Die Sparte Kunst soll am Grundschul-Programm beteiligt werden. „Nicht jeder will ein Instrument lernen. Wenn wir Kostüme anfertigen und Kulissen, dann haben wir weitere Angebote für Jugendliche.“ Zusammenfließen soll alles in einer Musicalproduktion: „spartenübergreifend“.

Strzyzewski sprach vom Projekt Sommerakademie, Angeboten in den Ferien und an Samstagen, „weil Schüler in der Woche immer weniger Zeit haben“. Er denkt an Angebote verstärkt auch für Erwachsene, lockt mit Schnupperangeboten („Geige an drei Terminen einmal ausprobieren“) und Unterrichtsgutscheine als Geschenk. Er will den Rang als größte Musik- und Kunstschule nicht nur verteidigen, er will ihn ausbauen.

„Kultur ist nicht teuer“

105 Menschen arbeiten für die Musik- und Kunstschule, drei davon in der Verwaltung, 35 als Honorarkräfte und 67 vorwiegend in Teilzeit nach dem Tarifvertrag des öffentlichen Dienstes. Abzüglich Steuern und Sozialabgaben bekommt jeder im Durchschnitt 16.809 Euro im Jahr als Entlohnung. „Kultur ist nicht teuer“, sagte Strzyzewski. 5.821 Schülerinnen und Schüler wurden dafür im vergangenen Jahr ausgebildet, 1.400.420 Euro durch Gebühren eingenommen, weitere 314.355 Euro als politisch beschlossene Ermäßigungen nicht. Nach einem Vergleichsmaßstab bezahlen die Kunden 49,6 Prozent der kalkulatorischen Kosten selbst. 2.144.735 Euro kommen von der Stadt als Zuschuss. 21.188 Euro brachte der Förderverein für neue Instrumente auf. (ako)

KOMMENTAR
Zukunftsprogramm der Musik- und Kunstschule
Begeisternd
VON ARNO LEY
Frischer Schwung in der Musik- und Kunstschule. Mit der neuen Leitung kehrt der Blick nach vorne in das Haus am Sparrenberg zurück. „Gleichgültig, wo wir in Zukunft arbeiten werden“, sagte Johannes Strzyzewski in einer Randbemerkung im Kulturausschuss. Damit schob er die leidige Debatte beiseite, in welchem Haus die Schule langfristig untergebracht wird. Das sollen die Politiker entscheiden.

Seine Mitarbeiter und er planen ein Programm, das sich mehr denn je an alle Kinder in der Stadt richten soll, um diese für Musik und Kunst zu gewinnen. Kleine Kostproben vor der Ausschusssitzung brachten selbst altgedienten Sparzwang-Politikern ein freudiges Lächeln ins Gesicht. Strzyzewski konnte ein wenig von seiner Begeisterung weitergeben. Das lässt hoffen.